Keyword-Recherche ohne Suchvolumen: So bewertest du
Ja, Keyword-Recherche geht ohne Suchvolumen. Du bewertest Ideen dann über die Suchabsicht, einen Blick auf die Ergebnisseite, deinen eigenen Anspruch an die Antwort und nach der Veröffentlichung über die Search Console. Das ist weniger bequem als eine Zahlenspalte, aber oft ehrlicher, denn Volumenzahlen sind ohnehin Schätzungen.
Geht Keyword-Recherche wirklich ohne Suchvolumen?
Ja, und zwar besser, als viele denken. Suchvolumen beantwortet nur eine Frage: Wie oft wird etwas ungefähr gesucht? Wichtiger sind drei andere Fragen. Passt der Begriff zu meinem Angebot? Kann ich die Suchenden zufriedenstellen? Und kann ich auf der Ergebnisseite mithalten?
Bei kleinen Nischen, neuen Themen und lokalen Begriffen liefern Volumenzahlen ohnehin oft nichts Verlässliches. Wer nur auf die Zahl schaut, übersieht dann gute Themen, weil sie klein wirken, und jagt großen Begriffen hinterher, die er nie erreichen wird.
Ein weiterer Punkt: Ein Begriff mit wenigen Suchen kann für dich mehr wert sein als einer mit vielen. Wer nach einer sehr konkreten Lösung sucht, ist oft näher an einer Entscheidung. Eine Handvoll genau passender Besucher bringt dir mehr als viele, die nur stöbern.
Auch wer Zahlen hat, sollte sie nicht überschätzen. Sie sind Schätzwerte aus Datenquellen und sagen nichts darüber, ob eine Seite von dir die Suche gut beantwortet. Die Bewertungsschritte unten gelten also immer, mit oder ohne Zahl.
Was das Tool Traffic Check zeigt und was nicht
Damit du weißt, worauf du dich verlassen kannst: Das Keyword-Tool liefert Ideen aus Google Autocomplete. Es zeigt dir, welche Ergänzungen Google zu einem Begriff vorschlägt. Es zeigt kein Suchvolumen, keine Klickpreise, keine Rankings und keine Angaben zum Wettbewerb.
Autocomplete verrät also, dass ein Begriff gesucht wird, aber nicht wie oft. Zwei Vorschläge in der Liste können sehr unterschiedlich gefragt sein, ohne dass du es siehst. Auch die Reihenfolge ist kein verlässliches Maß für das Volumen.
Das ist eine echte Grenze. Das Tool ersetzt keine Marktanalyse mit Zahlen. Es spart dir das mühsame Durchprobieren von Begriffen und liefert Formulierungen aus der Praxis. Die Bewertung machst du mit den folgenden Methoden.
Methode 1: Suchintention bestimmen
Der erste Filter ist die Absicht hinter dem Begriff. Frage dich: Was erwartet jemand, der das eintippt? Will er etwas lernen, etwas vergleichen, etwas kaufen oder einen Ort finden?
Behalte nur Begriffe, deren Absicht du mit einer Seite von dir erfüllen kannst. Ein Anbieter von Buchhaltungssoftware kann "Buchhaltung lernen" nur mit einem Ratgeber bedienen, "Buchhaltungssoftware vergleichen" aber mit einer Vergleichsseite und "Buchhaltungssoftware testen" mit einer Produktseite.
Die Typen und ihre Erkennungsmerkmale erklärt der Ratgeber Suchintention erkennen. Mit dieser Einordnung fällt bereits ein großer Teil der Rohliste weg, ganz ohne Zahlen.
Methode 2: Der SERP-Check in fünf Minuten
SERP heißt Suchergebnisseite. Für jeden Kandidaten tippst du den Begriff in Google und schaust dir die erste Seite an. Das kostet etwa fünf Minuten pro Begriff und sagt dir mehr als eine Zahl.
- Welche Seitentypen stehen vorne? Ratgeber, Shops, Portale, Videos, Karten? Passt dein Format dazu?
- Wer steht dort? Große Portale und Marken, oder auch kleine Fachseiten wie deine?
- Wie gut beantworten die Treffer die Frage? Gibt es Lücken, Veraltetes, Oberflächliches?
- Welche Zusatzelemente erscheinen? Ähnliche Fragen, Karten, Videos, Bilder? Sie zeigen, welche Formate Google für sinnvoll hält.
- Wie aktuell sind die Treffer? Bei zeitnahen Themen zählt Frische, bei zeitlosen Themen Tiefe.
Notiere dir pro Begriff ein kurzes Urteil: passt, passt mit Aufwand, passt nicht. Wenn nur große Portale vorne stehen und dein Format nicht passt, lass den Begriff ruhen und suche eine spezifischere Variante.
Methode 3: Der Eigenanspruch
Der vielleicht wichtigste und am häufigsten übersprungene Punkt: Kannst du die beste Antwort liefern? Nicht irgendeine, sondern eine, die den Treffern auf Seite eins etwas voraushat.
- Erfahrung: Hast du praktisches Wissen, Beispiele oder Fälle, die andere nicht haben?
- Tiefe: Kannst du Details erklären, die andere nur streifen?
- Format: Kannst du eine Checkliste, einen Rechner, eine Vorlage oder Fotos beisteuern?
- Aktualität: Weißt du etwas, das sich kürzlich geändert hat?
- Nutzen für dein Geschäft: Führt die Antwort zu einem sinnvollen nächsten Schritt, etwa einer Anfrage?
Wenn du dreimal mit Nein antwortest, ist der Begriff nichts für dich, egal wie groß er sein mag. Wenn du dreimal mit Ja antwortest, lohnt er sich oft auch dann, wenn nur wenige danach suchen.
Methode 4: Hinweise aus Autocomplete richtig lesen
Auch ohne Zahlen verrät dir Autocomplete einiges. Erscheint ein Begriff überhaupt als Vorschlag, wird er von Menschen gesucht. Erscheint er in mehreren Varianten und mit vielen Zusätzen, gibt es offenbar viele verschiedene Wünsche rund um das Thema.
Nutze das als Hinweis auf Breite, nicht auf Größe. Ein Begriff mit vielen Varianten eignet sich oft für einen ausführlichen Ratgeber, in dem du mehrere Fragen beantwortest. Ein Begriff mit wenigen, sehr konkreten Varianten eignet sich für eine gezielte Einzelseite.
Schärfe die Hinweise mit Long-Tail-Keywords, also längeren, spezifischeren Suchen. Sie sind oft leichter zu erfüllen, weil die Absicht klarer ist.
Methode 5: Search Console nach der Veröffentlichung
Die verlässlichsten Zahlen bekommst du von Google selbst, aber erst nach der Veröffentlichung. In der Search Console siehst du für deine Seiten, bei welchen Suchanfragen sie erschienen sind und wie oft geklickt wurde. Das ist der Beleg, ob ein Begriff trägt.
Betrachte jede neue Seite deshalb als Test. Veröffentliche, warte einige Wochen, schaue nach und lerne. Taucht ein Begriff mit vielen Impressionen und wenig Klicks auf, verbessere Titel und Beschreibung. Taucht ein unerwarteter Begriff auf, ergänze einen Abschnitt oder baue eine eigene Seite.
Führe dazu eine kleine Tabelle mit Veröffentlichungsdatum, Hauptbegriff und den wichtigsten Suchanfragen aus der Search Console. Nach einigen Monaten erkennst du Muster: Welche Formate laufen bei dir, welche Themen bringen Anfragen, welche Seiten bleiben unsichtbar?
Diese Rückkopplung ersetzt Volumenzahlen vollständig, nur eben nachträglich. Eine Einführung bietet die Hilfe zur Search Console.
Wie du entscheidest, wenn mehrere Begriffe passen
Am Ende steht oft die Frage, welcher Begriff zuerst drankommt. Eine einfache Reihenfolge, die ohne Zahlen auskommt:
- Zuerst Begriffe mit klarer Kaufnähe, bei denen du ein starkes Angebot hast.
- Dann Begriffe, bei denen der SERP-Check Lücken zeigt und du Eigenanspruch erfüllst.
- Danach Begriffe, die Fragen deiner Kunden aus dem Alltag beantworten.
- Zuletzt große, allgemeine Begriffe, die viel Aufwand erfordern.
Das passt zur Logik, Begriffe zu Clustern und Seiten zu ordnen. Mehr zur Auswahl der Themen für Artikel findest du in den Keyword-Ideen für Blogartikel.
Typische Fehler beim Bewerten ohne Zahlen
- Du verwechselst "wird vorgeschlagen" mit "wird oft gesucht". Autocomplete sagt nichts über die Menge.
- Du überspringst den SERP-Check, weil er Zeit kostet, und baust dann ein Format, das auf Seite eins nicht vorkommt.
- Du wählst nur nach Bauchgefühl für das Thema und prüfst nie, ob dein Angebot dazu passt.
- Du wartest nicht auf Daten. Zwei Tage nach der Veröffentlichung sagt die Search Console noch wenig.
- Du gibst auf, wenn eine Seite nicht sofort wirkt. Rankings brauchen Zeit, und Garantien gibt es nicht.
Aktionsplan für die nächsten vier Wochen
- Woche 1: Sammle mit dem Keyword-Tool Ideen und streiche alles, was nicht zu deinem Angebot passt. Bestimme bei den Übrigen die Suchabsicht.
- Woche 2: Mache den SERP-Check für die besten zehn Kandidaten und notiere pro Begriff ein Urteil und den Eigenanspruch in einem Satz.
- Woche 3: Schreibe die Seite für den Begriff mit der besten Kombination aus Passung, Lücke und Eigenanspruch und veröffentliche sie.
- Woche 4: Richte die Search Console ein, falls noch nicht geschehen, und prüfe, bei welchen Suchanfragen die Seite erscheint. Passe Titel oder Inhalt nach den ersten Daten an.
Häufige Fragen
Kann ich Keywords ohne Suchvolumen auswählen?
Ja. Du bewertest sie über Suchabsicht, SERP-Check, deinen Eigenanspruch und später über die Search Console. Das Suchvolumen ist nur eine von mehreren Informationen und selbst eine Schätzung.
Warum zeigt das Traffic-Check-Tool kein Suchvolumen?
Das Tool nutzt Google Autocomplete und liefert damit Ideen und Formulierungen. Suchvolumen, CPC, Rankings und Wettbewerbsdaten sind nicht Teil des Angebots. Das ist eine bewusste Grenze.
Wie erkenne ich, ob ein Begriff gesucht wird?
Wenn Google ihn als Autocomplete-Vorschlag zeigt, wird er gesucht. Wie oft, erfährst du dort nicht. Nach der Veröffentlichung zeigt dir die Search Console echte Impressionen.
Was bedeutet SERP-Check?
Du schaust dir die erste Ergebnisseite zu einem Begriff an und prüfst Seitentypen, Anbieter, Qualität und Zusatzelemente. So siehst du, ob dein Format passt und ob es Lücken gibt.
Reicht die Search Console als Ersatz für Volumenzahlen?
Teilweise. Sie zeigt echte Daten, aber nur für Suchen, bei denen deine Seiten schon erscheinen. Für neue Themen brauchst du vorher Ideen und die anderen Bewertungsmethoden.
Wann sind Volumenzahlen trotzdem sinnvoll?
Etwa wenn du große Budgets planst, mehrere Märkte vergleichst oder Prognosen brauchst. Für den Einstieg und für kleine Seiten reichen die Methoden aus diesem Ratgeber meist aus.